Mit einem Schuß zwölf Russenpanzer
Wie eine Fingerspitze reicht die Stellung des Gren. Rgt. 396 um das vollbelegte Nowosybkoff in den Feind, nachdem die 216.1. D. sich in den Rückzugskämpfen zwischen Orel und Gomel im September 1943 auf diese kleine Stadt zurückgezogen hat. Hier gilt es die Stadt so lange, zu halten, bis dreiundvierzig mit wertvollem Gerät beladene Eisenbahnzüge nach Westen über Bobruisk abgerollt sind. Nach dem nächtlichen Rückzug auf diese Stadt ordnet sich das scheinbare Durcheinander wieder zu einer festgefügten Hauptkampflinie. Vorne buddeln die Infanteristen ihre Deckungslöcher am Waldrand. Die Strippenzieher legen ihre Feldkabel zu den Gefechtsständen, zwischen denen sich die Feuerstellungen der Batterien einrichten. Die B-Stellen werden besetzt, und dazwischen wird Verpflegung empfangen, Munition ausgegeben und die Protzen und Gefechtstrosse im Ort untergebracht.
Da schlägt die Meldung, daß sich russische Panzer zum Angriff bereitstellen, wie eine Bombe ein.
Alles stürzt an seinen Platz. Major Wichert, Kommandeur des lII./G. R. 396 läuft nach vorne zu den Männern seiner zehnten Kompanie. Nach einem kurzen Feuerschlag rollen dreißig T 34 auf Nowosybkoff. Die Batterie Köhns feuert in direktem Beschuß. Ihre Geschütze werden überrollt. Vorne wehrt sich der Bataillonskommandeur mit seinen Männern im Nahkampf gegen die aufgesessenen Rotarmisten. Sie unterliegen, werden überwältigt und gefangen genommen. Drei Panzer erreichen die Stadtmitte, erschrecken dort Hauptmann Jenner in dessen Gefechtsstand, der aber den Geschützen seiner III. Batterie am Ortsausgang noch Vorwarnung geben kann. Dort werden sie vernichtet. Gegen drei weitere Panzer im Ort setzt Oberleutnant Graf Hardenberg erfolgreich zwei Pak-Geschütze ein. Inzwischen müssen die Trosse und Protzen schnell aus dem Ort. Doch schon haben die meisten Russenpanzer den Ort südlich in Richtung auf den Bahnhof umfahren. Sie schießen auf die zurückfahrenden Züge und stellen sich am Bahnhof in Bataillonsstärke zum weiteren Angriff bereit.
Zwölf Panzer sind ebenfalls in Deckung abgestellter Waggons aufgefahren. Oberstleutnant Gnoth hat die Reste seiner Soldaten der Feuerstellung der 7. Batterie zu neuer Abwehr versammelt. Hier vom Waldrand feuern die Geschütze in direktem Schuß auf anderthalb Kilometer in die feindliche Bereitstellung. Die Lage verzweifelt. Wird es gelingen Nowosybkoff so lange zu halten? Ein Bataillon eines russischen Gardeschützenregimentes mit zwölf bereitgestellten Panzern gegen dieses Häuflein abgekämpfter Landser? In diesem Augenblick gibt es unten am Bahnhof eine ungeheuere Detonation. In den Waggons, die der Sichtdeckung russischer Bereitstellung dienen, sind deutsche Fliegerbomben verladen. Ein Volltreffer des Geschützes von Unteroffizier Scholty jagt sie hoch. Als sich der Rauch und Qualm, der Dunst und Staub verzogen haben, erkennt man nur noch zwölf ausgebrannte T 34, aber keine Bereitstellung mehr. Gespenstisch steht noch lange ein Rauchpilz über dem Bahnhof, an dem vorbei die deutschen Eisenbahnzüge unversehrt ihre rückwärtigen Zielbahnhöfe erreichen.